Hans Jonas
Der Philosoph und Religionswissenschaftler Hans Jonas wurde am 10. Mai 1903 in Mönchengladbach geboren. Er studierte Philosophie, Religion und Kunstgeschichte in Freiburg, Berlin und Marburg. 1928 promovierte er mit »Der Begriff der Gnosis« (Gnosis = Gotteserkenntnis). 1933 wanderte er nach London aus, 1934 nach lerusalem. Jonas lehrte in Jerusalern, Montreal, Ottawa und New York. Er arbeitete an religionswissenschaftlichen, naturphilosophischen und ethischen Themen. Er forderte, aus der Verantwortung für das menschliche Leben, jeder Bedrohung der Natur entgegenzuwirken, und wandte sich gegen das Klonen. Seine Schriften wurden in 16 Sprachen übersetzt. 1987 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Hans Jonas starb am 5. Februar 1993 in New York.

Zwei aufschlußreiche Aufsätze
zu den wichtigsten “globalen Umweltproblemen”
und zur “Ökologie als Weltinnenpolitik” bei der Globalisierung finden Sie:
Hier

Die globalen Umweltprobleme
von Albrecht Rittmann,
Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg
Juni 2002

Für den Bericht Geo 2000 der UN-Umweltorganisation UNEP, deren Präsident derzeit der frühere Bundes-Umweltminister Klaus Töpfer ist, hat ein internationalbesetztes Wissenschaftskomitee die wichtigsten Umweltprobleme aufgeführt und bewertet.

Das mit großem Abstand bedeutendste Umweltproblem ist die zu erwartende weltweite Klimaveränderung. Dahinter folgen in dieser Rangliste die Verknappung des Trinkwassers, der Raubbau an den Wäldern, die Trinkwasserverschmutzung, die armutsbedingte Umweltzerstörung in den Ländern der Dritten Welt, der Verlust an Artenvielfalt (Biodiversität) durch Zerstörung von Lebensräumen, das Bevölkerungswachstum mit dem damit einhergehenden Problem der Verstädterung sowie noch an vorderer Stelleeinige klassische Umweltprobleme, wie die Luftverschmutzung und die Ausbreitung toxischer Substanzen.

Betrachtet man die aufgezeigten Problemfeldernäher, lassen sie sich in drei Gruppen einteilen. Zu der ersten Gruppe gehören alle Umweltprobleme, die aus einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen entstehen. Die zweite Gruppe geht auf das ungebremste Bevölkerungswachstum mit den daraus resultierenden sozioökologischen Umweltproblemen zurück. Die in gigantischer Dimension zunehmenden Verbrennungsprozesse zur Erzeugung von Energie bilden die dritte Gruppe der Umweltproblemfelder.

Diese drei Gruppen stehen alle in einer sehr Engen Wechselbeziehung zueinander.

Wasserknappheit
Wasser ist eine Ressource, die weltweit übernutzt wird. Wenn die gegenwärtigen Verbrauchsmuster andauern, wird im Jahre 2025 nach Angaben der von der Weltbank ins Leben gerufenen Weltwasserkommission der Bedarf an Frischwasser rund 40 Prozent höher liegen als noch 1995. Ein Drittel der auf der Erde lebenden Menschen, also mehr als 2,5 Milliarden Menschen, werden dann unter einer unzureichenden Versorgung mit Süßwasser leiden. Heute schon sind es mehr als eine Milliarde Menschen, die unter Wassermangel leiden.
Nationale Konflikte um das Wasser, Migrationsbewegungen aufgrund der Wasserknappheit und vor allen Dingen auch eine Beschränkung der industriellen Entwicklung in Regionen mit Wassermangel werden die Folge sein. Wasserknappheit und starke Verschmutzung des Oberflächenwassers und des Grundwassers führen z. B. schon in einigen nördlichen Provinzen der Volksrepublik China zu deutlichen Bremsspuren in
deren Entwicklung.

Selbst wenn neue Techniken zur Reduzierung des Wasserverbrauchs entwickelt und der seit Jahrzehnten steigende Bedarf in der Landwirtschaft eingeschränkt würde, wird der Wassermangel nicht zuletzt aufgrund des Bevölkerungswachstums noch zunehmen.
Eine ausreichende Versorgung der Weltbevölkerung mit Wasser ist nach Überzeugung der Weltwasserkommission nur möglich, wenn die Strukturen bei der Verteilung des Wassers verbessert werden und die Bereitschaft der Regierungen steigt, mehr in die Wasserversorgung und in den Trinkwasserschutz zu investieren. Da weltweit gesehen die Landwirtschaft gegenüber anderen Verwendungszwecken den höchsten Wasserverbrauch hat ­ die Landwirtschaftbenötigt etwa 80 Prozent des Wassers gegenüber 20 Prozent für private und industrielle Zwecke ­,liegt der Schlüssel für eine Reduzierung des Wasserbedarfs in einer höheren Wasserproduktivität der Landwirtschaft. Mehr Ertrag pro Tropfen ist das Motto.
Diesem Ziel könnte man zum einen durch bio-technische Optimierung der Nutzpflanzen, insbesondere der Hauptgetreidearten, näherkommen. Ein wesentlicher Fortschritt müsste durch verbesserte Bewässerungstechniken erreicht werden. Zwei Drittel des weltweiten Wasserverbrauchs wird durch die künstliche Bewässerung auf den Feldern verursacht. Dabei wird sehr viel Wasser verschwendet.

Aber auch wir Mitteleuropäer tragen zur Wasserverschmutzung und Wasserverknappung in entfernten Ländern der Erde bei. Eine Vielzahl der Textilien, die wir hier in Geschäften kaufen, wird in Ländern wie Indien oder China hergestellt. Um die Textilien zu färben und zu bleichen braucht es Wasser ­ viel Wasser. Und das muss von bester Qualität sein. Angesichts der gigantischen Mengen an Frischwasser sind in vielen Städten des indischen Subkontinents  inzwischen die lokalen Wasserreserven einschließlich des Grundwassers fast vollständig aufgebraucht, mit entsprechend bedeutenden ökologischen Folgen.

Bevölkerungswachstum und Ressourcenbedarf
Zusätzlicher Druck auf die Umwelt geht vom ungebremsten Bevölkerungswachstum aus. Die weiterhin rasante Bevölkerungszunahme führt nicht nur zur Erschöpfung von Ressourcen und Zerstörung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, sondern es fehlt auch oft der Lebensraum und damit die ausreichende Ernährungsgrundlage.

In den vergangenen 200 Jahren ist die Weltbevölkerung von einer Milliarde Menschen auf sechs Milliarden gewachsen. Bis zum Jahr 2050 gehen die Vereinten Nationen in ihrer mittleren Schätzung von 8,9 Milliarden Menschen aus. Jeden Monat kommt ein neues New York City hinzu, jedes Jahr ein neues Deutschland und alle zehn Jahre beinahe ein neues Indien. Allein die Bevölkerung der Volksrepublik China wird trotz der rigiden Regelungen zur Geburtenbeschränkung unausweichlich von derzeit offiziell1,2 Milliarden in den nächsten 30 Jahren auf 1,6 Milliarden Menschen anwachsen. Durch Wüstenerosion und rasante Überbauung wird auf der anderen Seite in China die landwirtschaftliche Nutzfläche erheblichvermindert werden.

Bislang konnte das explosionsartige Wachst um der Bevölkerung besonders in den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren aufgrund der erheblich höheren Produktivität bewältigt werden. So wurde die Produktion von Nahrungsmitteln seit dem Zweiten Weltkrieg verdreifacht und überflügelte damit sogar das Bevölkerungswachstum.

In den Ländern der Dritten Welt ist das Bevölkerungswachst um am stärksten. 90 Prozent der zusätzlichen Menschen werden in der Dritten Welt zu Hause sein. Allein durch eine Angleichung an das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung würde sich die Bevölkerung des Schwarzen Kontinents verdoppeln.

Das Bevölkerungswachst um ist also von tiefen Gegensätzen geprägt. Praktisch Nullwachst um in Europa mit einer Tendenz zum Sinken der Bevölkerungszahl; dagegen in den Ländern der Dritten Welt eine Wachstumsrate mit historischem Höchstwert. Das kann zu Spannungen führen, die sich irgendwann entladen, wenn keine ausgleichenden Mechanismen gefunden werden. Mit der Nachfrage nach Nahrungsmitteln, vor allem in den Ländern der Dritten Welt, erhöht sich der Druck auf die Natur und es besteht die Gefahr, dass auch die letzten Urwälder, Sümpfe und Naturlandschaften besiedelt und in Nutzland umgewandelt werden. Vor die Alternative gestellt, die Natur im Urzustand zu belassen oder sich eine Lebensgrundlage zu schaffen, werden sich die Menschen gegen die Natur entscheiden. In einem Land wie Uganda z. B. kommen 90 Prozent der genutzten Energie aus den Wäldern, weil bessere Technologien fehlen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wald verschwunden ist. Eine rasche und anarchische Verstädterung sowie zunehmende Nachfrage nach Wasser, Nahrungsmitteln und Arbeitsplätzen etc. sind weitere Folgen, mit denen in der Dritten Welt zu rechnen ist.

Klimaänderung

Die Klimaänderung ist aller Voraussicht nach das dramatischste und besorgniserregendste Umweltproblem der nahen und fernen Zukunft. Dabei ist es sinnvoll, die in der Wissenschaft unstrittigen Annahmen deutlich von noch bestehenden Ungewissheiten in der Prognose zu trennen.

Das Klima auf dem Erdball bestimmt zunächst die Sonne. Änderungen der Sonnenaktivität oder der magnetischen Einflüsse der Sonne auf kosmische Strahlen haben deshalb auch auf das Klima Auswirkungen. Es gibt eine ganze Reihe sonstiger Einflussfaktoren, die sich ebenfalls auf das Klima auswirken. Hierzu zählen z. B. Vulkantätigkeiten oder die Beschaffenheit der Erdoberfläche, also das Verhältnis von Wüsten, Wäldern, Meeren und bebauten Flächen. Für das Klima ist aber insbesondere die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre ausschlaggebend.

Wird die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre verändert, kann es zu einer Klimaänderung kommen. Zum Beispiel dann, wenn durch die Zunahme bestimmter Gase die Wärmestrahlung der Erde verstärkt absorbiert wird. Gase mit diesen Eigenschaften werden als Treibhausgase bezeichnet. Sie sind für den Treibhauseffekt verantwortlich.

Das relevanteste Treibhausgas ist CO2, also Kohlendioxid. Durch steigenden Energieverbrauch nimmt der Ausstoß von CO2 weltweit ständig zu. Dadurch steigt die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre. Hinzu kommt, dass CO2eine sehr lange Verweilzeit in der Atmosphäre hat. Dabei ist es gleich-gültig, wo auf der Welt und durch welche Quelle CO2produziert wird.

Die weltweit gemessene Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung stieg bereits um0,7 Grad Celsius an. In Deutschland ist der Herbst inzwischen um 0,9 Grad wärmer als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Wir sind also bereits mitten in der Klimaänderung.

Dass der Klimawandel schon heute und auch bei uns stattfindet, sieht man sehr deutlich an den Alpen. Seit 1850 ist es in den Alpen im Schnitt 1,5 Gradwärmer geworden. Die Folgen sind unübersehbar: Gletscher bedecken heute nur noch ein Viertel der Fläche, die sie vor 150 Jahren einnahmen.

Die Erwärmung hat auch Folgen für die Flora. Viele Gebirgspflanzen wachsen nur bei ganz bestimmten Jahresdurchschnittstemperaturen. In der Folge der Erwärmung wachsen sie in höheren Regionen als früher. Pflanzenarten, die schon in den Gipfelregionen heimisch sind und nicht nach oben ausweichen können, sind vom Aussterben bedroht.

Für das Jahr 2050 wird bei fortlaufendem Anstieg der CO2-Emissionen eine Zunahme der Temperatur um zwei Grad Celsius erwartet. Diese Entwicklung könnte sich um 50 Jahre ­ also bis 2100 ­ verzögern, wenn sich die Kohlendioxid-Konzentrationenstabilisieren würden.

Die Landgebiete werden sich durch den Treibhauseffekt doppelt so schnell erwärmen wie die Ozeane. Die größeren Temperaturunterschiede werden dann zu einem veränderten Wettergeschehen mit zunehmend extremen Wetterereignissen führen.

Weitgehend einig sind sich die Klimaforscher noch, dass vom Klimawandel insbesondere Afrika, Mittelamerika und Teile Asiens mit zum Teil katastrophalen Folgen betroffen sein werden.

Bei der konkreten Vorhersage der Folgen des Klimawandels in Europa sprechen die Klimaforscher noch nicht von gesicherten Aussagen, sondern von begründeten Szenarien. Die bislang diesen Szenarienzugrunde gelegten Rechenmodelle prophezeien in Nordeuropa bis zum Jahr 2050 einen leichten Anstieg der Niederschläge im Winter, Frühjahr und Herbst. Die Sommer sollen dagegen in Europa bis zu 15 Prozenttrockener werden, dazu wärmer und mit Häufiger auftretenden starken Hitzeperioden.

Eine weitere Gefahr sehen die Klimaforscher in einem Anstieg des Meeresniveaus durch das Abschmelzen von Landeis an den Polen mit weltweiten Folgen. Wissenschaftler haben auch erstmals Hinweise dafür entdeckt, dass der für das milde Klima in Westeuropa verantwortliche

Golfstrom durch die globale Erwärmung instabil wird. Eine wachsende Menge kalten Frischwassers im Arktischen Meer, verursacht durch schmelzendes Polareis, mehr Regen und veränderte Windrichtungen stören den Golfstrom. Andere Wissenschaftler behaupten demgegenüber, dass die Veränderung der ozeanischen Ströme natürliche Ursachen hat und in einem geogeschichtlichen Rhythmus liegt, der etwa alle 1500 Jahre wechselt.

Um den weiteren Temperaturanstieg pro Jahrzehnt auf 0,1 Grad Celsius sowie den Anstieg des Meeresspiegels auf zwei Zentimeter pro Jahrzehnt zu begrenzen, müssten die Industrieländer ihre Treibhausgasemissionen bis 2010 gegenüber dem Stand von1990 um mindestens 35 Prozent senken. Das ist einehrgeiziges Ziel. Aber es muss erreicht werden, wenn wir unseren Kindern ­ im Sinne der Nachhaltigkeit ­eine Erde hinterlassen wollen, die zukunftsfähig ist.

 

Ökologie als Weltinnenpolitik 
Ansätze zur Lösung globaler Umweltprobleme

von Ulrich Müller,
Minister für Umwelt und Verkehr, Baden-Württemberg
Juni 2002

Alle reden von Globalisierung. Auch die Globalisierungs-Gegner. Ich verstehe sie und verstehe sie auch nicht. Ich verstehe, dass man darüber klagt, dass etwas kaputt geht, wenn es zu Boden fällt. Aber deswegen werde ich nicht zum Schwerkraftgegner. So ähnlich ist es mit der Globalisierung: Bei ihr geht manches zu Bruch, wenn wir nicht aufpassen. Aber sich gegen sie wenden? Das gleicht dem Versuch, sich gegen die Schwerkraft aufzulehnen. Es ist sinnlos. Nicht weniger Globalisierung, sondern die richtige ist gefragt. Und da gibt es einen gewaltigen Nachholbedarf bei den Umweltaspekten. Ja, die Umwelt kann unter die Räder kommen. Umwelt und einiges andere mehr muss Schritt halten können. Schritt halten mit was? Mit einer ansonsten ungesteuerten, zügellosen, nicht beherrschbaren und nicht verantwortbaren Entwicklung. Mit einer selbstzerstörerischen Entwicklung, einer, die nicht auf Dauer trägt, nicht nachhaltig ist.

Globalisierung mit der Schwerkraft zu vergleichen meint: Wir haben es mit einem geradezu urwüchsigen Naturgesetz zu tun, das man lenken, aber nicht verhindern kann. Dieses Ungestüme der Globalisierung liegt in drei simplen Umständen:

Alle Menschen wollen, dass es ihnen besser geht, und den meisten Menschen geht es materiell schlecht, teilweise sogar sehr schlecht. Die Möglichkeiten, dass es den Menschen besser geht, sind mit dem technischen Fortschritt gestiegen.

Verkehrswege und Verkehrsmittel lassen Entfernungen schrumpfen. Die Welt ist kleiner geworden, es findet also ein immer intensiverer Austausch an Menschen, Waren, Dienstleistungen, Informationen und Geld statt.

Eine paradiesische oder eine höllische Perspektive? Grundsätzlich eine gute. Wenn die Vorteile der Arbeitsteilung in größtmöglichem Maßstab zur Geltung kommen, ist das gut. Wenn es mehr Menschenbesser geht, ohnehin. Wenn die Vorteile des technischen Fortschritts sich durchsetzen sollen, müssen sie weite Verbreitung finden, nur dann ist ein Austausch zum allseitigen Nutzen möglich.

Das magische Fünfeck

Wenn ..... Es geht also um Bedingungen. Es geht um Frieden statt um Krieg. Um Demokratie statt um Diktatur oder Despotie oder Anarchie. Um Wohlstandsmehrung statt um Ausbeutung von Regionen. Um soziale Chancengerechtigkeit statt um sich vertiefende einseitige Verteilung von Bildung, Eigentum und Rechten. Und es geht um unsere Umwelt ­ die Biosphäre, die das alles verkraften muss. Dieses magische Fünfeck: Frieden, Demokratie, Entwicklung, Gerechtigkeit und Ökologie ist kein Zieldilemma, sondern ein Zielbündel: Keines der Ziele wird ganz erreicht, wenn eines der Ziele ganz verfehlt wird. Sie hängen zusammen und voneinander ab.

Ziele sind das eine, Umsetzen das andere. Und hier liegt das Kernproblem der Globalisierung: Die ökonomischen Vorteile der Globalisierung für diejenigen, die im weltweiten Wettbewerb vorne liegen, sind so gewaltig, dass die Ökonomie ihren Rahmenbedingungen davoneilt, ja sich ihrer entledigen will.

Das aber wäre nichts anderes als Frühkapitalismus: Die Entfesselung von Ökonomie, Technik und Eigennutz ohne Begleitung durch Rahmenbedingungen, die aus diesen Triebfedern sozialen Nutzen stiften. Das wäre keine soziale Marktwirtschaft, wie wir sie in Deutschland und Europa wollen und haben. Der Ordnungsrahmen für die weltweite wirtschaftliche Entwicklung fehlt, der sicherheitsmäßige, demokratische, wohlstands-orientierte, soziale und ökologische.

Der ökologische Ordnungsrahmen

Beschränken wir uns hier ­ fast fälschlicher weise, wegen des Zielfünfecks ­ auf den ökologischen Ordnungsrahmen für die weltwirtschaftliche Entwicklung. Warum ist er nötig, worin soll er bestehen?

Nötig ist er, weil der Verbrauch gezügelt werden muss: An Trinkwasser, an Rohstoffen, an Energiequellen, an Wäldern, an Fischen, an fruchtbarem Land. Wird mehr konsumiert, so muss der Konsum ein anderer werden. Und es wird mehr konsumiert werden, der Wunsch und die Möglichkeiten dazu bestehen.

Nötig ist der ökologische Ordnungsrahmen auch, um Schäden zu reduzieren: Luftverschmutzung, Klimawandel, Ökodumping, Gesundheitsgefahren, Artensterben, Versteppung ­ all das findet schon heute statt. Ökologische Regeln sind aber auch nötig, weil sie verzahnt werden müssen mit den anderen Zielen, denn eine ungerechte Welt ist weder ökonomischeffizient noch ökologisch verträglich. Kriege ums Trinkwasser, Raubbau aus Armut, Verschwendung aus Ineffizienz oder ungerechte Wohlstandsverteilung ­ die Fehlentwicklungen sind beliebig kombinierbar. Umweltpolitik muss also internationalisiert werden, Außenpolitik muss ökologisch werden, Ökologie ist Weltinnenpolitik. Sie braucht einen ganz hohen Stellenwert: Der internationale Aspekt muss der wichtigste Teil unserer nationalen Umweltpolitikwerden. Ökologie muss eine zentrale Komponente der Welthandels-, der Entwicklungs-, der Friedens- und der Außenpolitik werden. Von beidem sind wir noch weit entfernt ­ erstaunlich für ein Land, das sowohl einen grünen Außen- als auch einen grünen Umweltminister stellt. Die entscheidenden Schlachten um die ökologische Entwicklung werden in der globalen Umweltpolitik geschlagen. Alles andere sind die Stellen hinter dem Komma. Insofern möchte ich den Spieß umdrehen: Hieß es bislang, man solle global denken und lokal handeln ­ so möchte ich heute sagen: Noch wichtiger ist es, lokal zu denken und global zu handeln.

Worin kann der ökologische Ordnungsrahmen der globalen Wirtschaft von morgen bestehen? Es muss ihn geben, man muss ihn durchsetzen und zugleich muss er akzeptiert werden.

Es muss ihn geben ­ wir brauchen neben sozialen auch ökologische Mindeststandards und zwar nicht nur für den Welthandel, was bereits wichtig ist (so müssen z. B. Handelshemmnisse aus ökologischen Gründen möglich sein), sondern wir brauchen ihn vor allem in den einzelnen Ländern: Nötig sind also Umweltrecht, Umweltverwaltung, Umweltinfrastruktur, die weltweit aufgebaut werden müssen. Dies ist eine Aufgabe auch der Entwicklungspolitik, der Politik von Wirtschaftsregionen wie der Europäischen Union oder von politischen Institutionen wie den Vereinten Nationen. 

Ordnungsrahmen, das heißt auch, dass staatliche Wirtschaftsförderung, z. B. Staatsbürgschaften oder Kreditversicherungen, nicht ökologisch blind seinkönnen.

Subventionen dürfen nicht das ökologisch Falsche fördern oder schützen oder verhindern, weder hier noch anderswo. Ökologische Ordnungsrahmen, das sind auch weltweit verbindliche Verhaltensregeln, das bedeutet ferner eine Nachhaltigkeitsberichterstattung von Staaten, aber auch Ansätze zur Lösung globaler Umweltprobleme seitens der »Global Players«, die ja die größten Nutznießer der Globalisierung sind, das bedeutet nicht zuletzt Ökolabelling (also Gütesiegel für ökologisch akzeptable Produkte oder Produktionsverfahren).Ökologische Ziele im Weltmaßstab erfüllen wir auch mit vermindertem Bevölkerungswachst um (also einem Fortschritt an allgemeinem Wohlstand und sozialer Sicherung), mit der Verbesserung der Lebenschancen durch mehr Bildung, Eigentum und Rechtsstaatlichkeit, mit mehr technischem Fortschritt, mit Produkten, die nicht nur weltmarktfähig, sondern auch weltmarktverträglich sind, mit Effizienzsteigerung und neuen Werkstoffen zur Ressourcenschonung, mit dem Abbau an Verschwendung, die aus einem Zuviel an Luxus wie aus einem Zuviel an Armut entstehen kann. Armut ist so wenigein Beitrag zur Ökologie wie ineffiziente Planwirtschaft oder sozial ungerechte Systeme.

Durchsetzen muss sich diese ökologische Weltinnenpolitik in Normwerken, in Institutionen, in der Vertragspolitik (z. B. Schuldenerlass gegen ökologischen Fortschritt), im Kontingentieren der Spielräume und dem guten Beispiel, mit dem Industrieländer vorangehen müssen. Insofern waren die bisherigen Weltklimakonferenzen schon ganz erfolgreich, denn sie haben dreierlei bei den klimaschädlichen Gasen erbracht, was auf anderen Feldern der Weltökologiepolitik noch fehlt: Erstens überhaupt eine Begrenzung, zweitens ein Instrumentarium möglichst effizienter Mittel im Weltmaßstab (Zertifikatehandel) und drittens die Verpflichtung der Industrieländer, mehr als andere zu tun, was sachlich richtig und moralisch geboten ist. Durchsetzen einer ökologischen Weltinnenpolitik, das heißt, Fehlverhalten mit Strafen und Nachteilen zu belegen, national und international ein Überwachungs-Know-how aufzubauen mit Umweltbeobachtung und Umweltkommunikation. Beide standen auch am Anfang unserer nationalen Umweltpolitik. Dabei geht es nicht um Spektakuläres à la Greenpeace, sondern um strukturelle Entwicklungen ohne »Skandale« und »Schuldige«, denn die schleichenden Entwicklungen sind die eigentlich gefährlichen.

Voraussetzung ist Einsicht in die Notwendigkeiten

Das führt zum letzten Komplex einer weltweiten Umweltpolitik: Den Dingen, die weder geregelt nocherzwungen werden können, sondern die für richtig gehalten, eingesehen und gemacht werden müssen auch ohne Zwang, vielmehr einfach deswegen, weil sie richtig sind. Nur aus Einsicht ­ und das gilt vor allem für die höher entwickelten Länder ­ kann der Politik der Spielraum (in einer Demokratie!) gegeben werden, das Nötige zu tun. Die Lasten der Kyoto-Konferenz waren beispielsweise in Deutschland innenpolitisch nicht umstritten, aus allgemeiner Einsicht quer über alle Parteien ­ in den USA war das anders. Aus Einsicht und nicht auf Befehl oder weil es Regeln und Zwänge geben könnte, entstehen Ansätze zur Lösung globaler Umweltprobleme neue Produkte, Produktionsverfahren und Dienstleistungen, entstehen Forschungsergebnisse, die ökologisch verantwortbar sind. Aus Einsicht entsteht ein Lebensstil, der ökologisch verträglich ist, der Rücksicht nimmt, der dem kategorischen Imperativ Kants folgt: Du sollst so handeln, dass dein Handeln Gesetz werden könnte, nicht weil dir ein Gesetz dein Handeln vorschreibt. Aus Einsicht müssen sich Trends entwickeln wie die zur Miniaturisierung, Präzisierung oder Dematerialisierung der Wirtschaft, wenngleich hierzu staatliche Rahmenbedingungen beitragen können. Einsicht ist nötig (und durchaus bei deutschen Firmen vorhanden) für die weltweite ökologische Verantwortung, welche Unternehmen so oder so exportieren, wenn sie nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale und ökologische Firmenkultur ins Ausland mitnehmen. Bewusstseinswandel, Konsumwandel, Strukturwandel ­ all das lässt sich nicht erzwingen, aber von einer informierten Gesellschaft und einer verantwortlichen Politik erwarten. Unsere nationale Umweltpolitik braucht ein innenpolitisches Mandat, den Appell der Bürger, das Beispiel der Wirtschaft, die Ideen der Forscher, um globale Umweltpolitik in Gang zu setzen. Globale Umweltpolitik muss nicht bedeuten, dass wir alle den Gürtel enger zu schnallen hätten. Das können wir von Menschen aus anderen Ländern ohnehin nicht in gleichem Umfang erwarten, wie uns das möglich wäre. Aber es ist uns möglich und es ist nötig, vorhandene Probleme im eigenen Interesse zu vermeiden. Die Ökologiefrage gehört zu den Herausforderungen und den Grenzen, die wir im eigenen Interesse nicht überschreiten sollten. Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts haben wir in den hochentwickelten Industrieländern gelöst, die ökologische Frage des 21. Jahrhunderts jedoch noch nicht.

Wettbewerb um Zukunftslösungen

Es geht auch bei uns gar nicht unbedingt darum, den Gürtel enger zu schnallen. Ökologie ist Langzeitökonomie und umgekehrt. Es wäre töricht, wenn das einzige Regulativ auch für die kommenden Generationen in den wohlhabenden Ländern nur darin bestünde, für knapper werdende Ressourcen immer höhere Preise und für größer werdende Schäden immerhöhere Steuern zu zahlen. Viel klüger ist es, die Produkte für die Welt von morgen jetzt schon zu entwickeln und sie auf den Markt zu bringen. Viel klüger ist es, die Lasten gar nicht entstehen zu lassen, denn Reparatur kostet viel mehr Geld, wie wir z. B. aus der Altlasten oder der Grundwasserproblematik wissen. Wir dürfen unsere Chancen auf dem Weltmarkt nutzen, ja wir haben eine Verpflichtung auf dem Weltmarkt. Auf dem Markt wohlgemerkt, der nach Regeln abläuft und nicht nach dem Recht des Stärkeren. Was uns im nationalen Maßstab recht war ­ die soziale Marktwirtschaft ­, das muss uns im globalen Maßstab billig sein. Gerade wir in Baden-Württemberg haben in diesem Wettbewerb um Zukunftslösungen gute Chancen.

 



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